BUMM!
«Wenn das schiefgeht, bin ich der Depp der Nation», sagt Sprengmeister Walter Weber im Frühjahr 2013. Tatsächlich sorgt die erste Hochhaussprengung der Schweiz für gehörig Aufsehen. Tausende Schaulustige sind mit dabei, als in Aarau der 45 Meter hohe Sprecherhof zu Boden geht. 75 Kilo Sprengstoff, 1 500 Zünder und drei Monate akribischer Vorbereitung fordert die Aktion im Auftrag von Mobimo – vorbei ist sie in fünf Sekunden. Zurück bleibt ein enormer Schuttkegel, der abtransportiert werden muss, bevor die Entwicklung des Aeschbachquartiers weitergehen kann. Zehn Jahre später sagt Weber über die Sprengung: «In der Branche spricht man heute noch darüber.»
«Nous être société très sérieuse»
Am 23. Juni 2005 ist es so weit: Die erste Mobimo-Aktie wird an der Börse gehandelt. Vorausgegangen ist dem Börsengang eine Roadshow, die Verwaltungsratspräsident Alfred Meili und CEO Paul Schnetzer zu Vermögensverwaltern nach Frankfurt, Zürich, Luzern, Lausanne und Genf führt. «Mir machte das grossen Spass», erinnert sich Meili. «Stress hatte nur Paul Schnetzer.» Dessen Französisch sei doch sehr bescheiden gewesen. Und so habe Schnetzer bei der Präsentation in der Westschweiz geradebrecht: «Oui, oui, nous être société très sérieuse.» Das tut dem Erfolg aber keinen Abbruch: Statt für 100 Millionen gehen Zeichnungszusagen von über 600 Millionen Franken ein.
40 Meter sind nicht genug
«Der Turm steht. Er ist bereits ein Wahrzeichen», sagt Architekturkritiker Benedikt Loderer am 11. August 2011 im «Tages-Anzeiger.» Es ist der Tag der Eröffnung des 81 Meter hohen MobimoTower in Zürich-West. Überstanden hatte der Turm da schon eine Initiative der Schweizer Demokraten, die Hochhäuser in Zürich auf maximal 4o Meter beschränken und so «den WolkenkratzerBoom» stoppen will. Roger Diener, Architekt des Mobimo-Tower, erklärt im April 2009, dafür habe er kein Verständnis. «Qualitätvolle Hochhäuser sind bereichernd.»
Aussen rot
Um ein Haar wäre sie blau geworden, die Fassade des Mobimo-Geschäftssitzes in Küsnacht ZH. «Das haben wir ihm ausgeredet», erinnert sich Vinzenz Manser. 2005 sind die bisherigen Räume in Zollikon für die wachsende Firma zu klein geworden, Projektleiter Manser plant den Neubau gemeinsam mit seinem Chef Alfred Meili. Und der mag Farbe. Nachdem Blau durchgefallen ist («Schiesst mit der Zeit aus», so Manser), gibt es jetzt einen anderen Favoriten. Den versteht Meili mit List durchzusetzen. An der entscheidenden Farbfindungssitzung habe er Mobimo-Mitgründer Karl Reichmuth dazu gebracht, einen Rotton auszusuchen, so Meili. Das habe es ihm erlaubt, fortan zu scherzen: «Schaut, Karl Reichmuth ist nur in Luzern konservativ. Ausserhalb ist er ein Roter.»
Wo kein Rauch ist
Sehen Sie eine Zigarette? Nein? Dann sehen Sie richtig. Das Mobimo Hochhaus am Zürcher Escher-Wyss-Platz ist das erste in vielem: bei der Minergie, beim Namenszug an der Fassade. Aber es ist auch das erste Nichtraucher-Hochhaus der Schweiz. Schon 2001, neun Jahre bevor das Bundesgesetz zum Schutz vor Passivrauchen in Kraft tritt, wird das Gebäude mit den 600 Arbeitsplätzen zur rauchfreien Zone erklärt. Mobimo initiiert die Massnahme, die Mieterin Bluewin unterstützt sie. Damit lassen sich auch Betriebskosten sparen: Weil kein Zigarettenrauch wegmuss, kann eine kleinere Lüftungsanlage eingebaut werden, die weniger Strom verbraucht.
Verzaubert
Im Mai 2014 tauft Skirennfahrerin Fränzi Aufdenblatten «Mobimo», den Katamaran des Skippers Christian Wahl. Dabei wird mehr als eine Flasche Champagner geleert. «Eine für jeden Rumpf und ein paar Schlucke für den See, das ist die Tradition», erklärt Wahl. Die schnelle Bootspatin bringt offenbar Glück – oder bestärkt schlicht das vorhandene Können: Wahl, genannt der «Zauberer vom Genfersee», gewinnt 2018 mit der «Mobimo» den Bol d’Or, die bedeutendste Binnensee-Regatta der Welt.
Nass gemacht
Voller Körpereinsatz für das Quartier: Marc Pointet, damals Geschäftsführer Mobimo für die Westschweiz, steigt 2017 gar ins Wasser, um für die neu gestaltete Esplanade im Herzen des Lausanner Flon zu werben. «Wir wollen the place to be werden», sagt er. Der Brunnen, gestaltet vom Künstler Vincent Kohler, hatte zuvor für Begeisterung, aber auch für Kritik gesorgt. Die Zeitung «24 heures» berichtet, ein Architekturkritiker habe ihn «den Gipfel des schlechten Geschmacks» genannt, dessen «winziger Wasserstrahl» an «Obszönität» grenze. Pointet kontert gelassen: «Wir wollten kein Kunstwerk, das nicht auffällt.» Auch ein Verstärker gehört zur bronzenen Skulptur: Sie symbolisiert die Bedeutung, die die Musik im Quartier seit jeher einnimmt.
Die farbige Festung
Als Mobimo 2013 im Zürcher Volkshaus die Pläne für die Bebauung des Labitzke-Areals präsentiert, stören Besetzer die Medienkonferenz. Mit Papiertüten über den Köpfen kündigen sie Widerstand an. «Es wäre schade, wenn sie unsere Arbeiten verzögern würden», entgegnet Peter Grossenbacher, Mitglied der Mobimo Geschäftsleitung, und ahnt wohl schon, wie anspruchsvoll die kommenden Monate noch werden. Das 10 000 Quadratmeter grosse Labitzke-Areal in Altstetten mit dem «Autonomen Beauty Salon» gehört während rund dreier Jahre zu den grössten Besetzungen in Zürich. Bei der Räumung im August 2014 holt die Polizei eine Gruppe von Aktivisten einzeln vom Labitzke-Turm. «Die farbige Festung ist gefallen», schreibt die «NZZ».
Eine wichtige Rolle
Manchmal spielen Gebäude in Filmen mehr als nur eine Nebenrolle. Beispiele gefällig? Bitte: das Motel in «Psycho», das McAllister-Haus aus «Kevin – Allein zu Haus» oder Tara in «Vom Winde verweht». Schon fast logisch, dass Mobimo das Zurich Film Festival unterstützt. 2013 fängt die Sponsorschaft an und dauert bis heute. Selbst bei all dem Glamour gibt es aber noch Ausreisser nach oben. Die Highlights der Highlights sozusagen. Etwa 2017, als Tennisass Roger Federer am von Mobimo präsentierten Eröffnungsabend zu Gast ist und alle anderen Prominenten auf dem grünen Teppich selbst zu Fans werden. Gezeigt wird – gastgerecht – «Borg/McEnroe» des dänischen Regisseurs Janus Metz.
«Tennis war früher Rock ’n‘ Roll. Ich wäre gern Teil dieser Generation gewesen», erklärt Federer.
Hand drauf
«Er lief einmal durchs ganze Quartier, ohne ein Wort zu sagen. Als er auf die Place de l’Europe zurückkam, gab er mir die Hand und sagte: ‹Das machen wir.›» So erinnert sich Paul Rambert an den Entscheid des damaligen Mobimo-Präsidenten Urs Ledermann zur Fusion zwischen Mobimo und der LO Holding Lausanne-Ouchy. Ende 2009 werden die beiden Gesellschaften zusammengeführt. Für Mobimo ist dies der lang ersehnte Schritt in die Westschweiz; der Romandie-Anteil im Portfolio steigt mit einem Schlag von 1 auf 28 Prozent. Paul Rambert ist massgeblich an der Entwicklung des Vorzeige-Stadtquartiers Flon in Lausanne beteiligt und sitzt bis 2015 im Verwaltungsrat von Mobimo. Die Lausanne-Ouchy S.A. hatte das Quartier du Flon, ein ehemaliges Industriequartier im Herzen der Stadt, das zu verwahrlosen drohte, neu geplant und erstellt.
















