Ein «Meteorit, der auf Zürich fällt». So beschrieb der Bündner Künstler Not Vital seine Skulptur, als er sie 2011 der Öffentlichkeit vorstellte. Die Summe der Kantenlängen des Würfels aus Spritzbeton betrug genau 81 Meter – und entsprach damit exakt der Höhe des Gebäudes, dessen Aussenbereich Vitals Werk nicht nur zieren, sondern prägen sollte: des Mobimo-Tower in Zürich-West.
«The No Problem Sculpture» nannte Vital den Kubus. Um daran zu erinnern, dass viele Probleme, die die Menschen in der Schweiz umtrieben, im Niger, wo er als Teil des Projekts einen 81 Meter tiefen Ziehbrunnen graben liess, doch gar keine waren. Oder wie Vital selber erklärte: Hätte er den Kunstprojektwettbewerb der Bauherrschaft nicht gewonnen, wäre das auch kein Problem gewesen.
Tatsächlich machte die Skulptur ihrem Namen alle Ehre. Weder der Bewilligungsprozess noch die Errichtung bereiteten Probleme. Dann kam das Jahr 2021. Und damit ein Postulat der Gemeinderäte Stefan Urech (SVP) und Urs Helfenstein (SP). Den beiden gefiel das Kunstwerk einfach nicht. Sie fanden es zu gross. Zu hässlich. Hätten stattdessen lieber Bäume und Bänke gehabt. Kurz: Die Politiker verlangten vom Zürcher Stadtrat, dass er Mobimo bittet, die Skulptur vom eigenen privaten Grund zu entfernen.
Während der Vorgang illustriert, wie treffend der Gedanke Vitals bei der Namensgebung seines Objekts war, zeigt er auch etwas anderes: Kunst im öffentlichen Raum eckt an. Der Engel von Niki de Saint Phalle im Zürcher Hauptbahnhof – «ein überdimensioniertes Sennentuntschi», so die Kritik 1997. Der Meret-Oppenheim-Brunnen in Bern – «ein Abluftkamin». 2018 erklärte Jutta Langhoff, damals Projektleiterin bei Mobimo, in der «NZZ am Sonntag», es ärgere sie nicht, wenn über Kunst am Bau gestritten werde. «Im Gegenteil: Sie soll etwas sein, das den Geist über den Alltag hinaus beschäftigt!»
«KUNST BEDEUTET IMMER, SICH AUS DER KOMFORTZONE ZU BEWEGEN.»
Auf Kunst setzte Mobimo schon in ihren Anfängen. «Wo möglich etwas integrierte Kunst», hielt Gründer Alfred Meili fest, falle «kostenmässig gar nicht gross ins Gewicht» und bringe Freude. Später wurde der Entwicklungsprozess professionalisiert, seit 2013 bündelt sich das Engagement im Programm Mobimo & Art. Jetzt werden bereits früh im Bauprojekt ausgewählte Kunstschaffende zu einem Ideenwettbewerb eingeladen, eine unabhängige Jury kürt das Siegerprojekt. «Kunst wird nicht einfach auf ein fertiges Gebäude gepappt, sondern ins Gesamtprojekt integriert», schrieb die «NZZ am Sonntag». Für die Kunstwerke gibt es dabei keine Grenzen: Reliefs, Lichtarbeiten, aber auch Skulpturen, Fassadengestaltungen und Wasserspiele. «Kunst bedeutet immer, sich aus seiner Komfortzone zu bewegen», so die Kuratorin Friederike Schmid. Sie begleitet Mobimo & Art als Kunstexpertin seit vielen Jahren.
Die Initiative bringt Kunst zu den Menschen, die in den Mobimo Gebäuden ein und aus oder einfach an ihnen vorbeigehen, sie schafft eine starke symbolische und identitätsstiftende Verbindung, eine nachhaltige Erfahrung. Es geht weder um Dekoration noch darum, Architektur zu verbessern. Aber Mobimo will nicht einfach Beton verbauen, sondern stets ein stimmiges und lebenswertes Gesamtumfeld schaffen. Der Genfer Künstler Christian Gonzenbach erklärte es so: «Der Standort von Skulpturen hat einen grossen Einfluss auf ihre Funktion. In einem Museum wollen sie betrachtet werden, im Herzen einer Wohnüberbauung gehören sie zum Leben.»













